Francisco Fernández Carvajal's Webseite


Samstag, den 4. Juli 2009 


Meditationen für jeden Tag
Drucken - Massenmesswerte

JAHRESKREIS
13. WOCHE - SAMSTAG

9

NEUER WEIN

Göttliche Pädagogik.
Das Wirken des Heiligen Geistes.
Das Sakrament der Buße.

I. »Gott, >der in unzugänglichem Licht wohnt< (1 Tim 6,16), will den Menschen, die er in Freiheit erschaffen hat, sein eigenes göttliches Leben mitteilen, um sie in seinem einzigen Sohn als Söhne anzunehmen.«1 In einer Art »göttlicher Pädagogik« bereitet er sie darauf vor, das Neue aufzunehmen, das in der Person und Sendung Jesu Christi gipfelt. Der Kirchenvater Irenäus von Lyon wagt das Bild: »Das Wort Gottes wohnte im Menschen und wurde zum Menschensohn, damit der Mensch sich gewöhne, Gott aufzunehmen, und Gott sich gewöhne, im Menschen zu wohnen nach dem Wohlgefallen des Vaters.«2

Christus, »das vollkommene, unübertreffbare, eingeborene Wort des Vaters«3 offenbart Schritt um Schritt das innerste Geheimnis des göttlichen Lebens, das Geheimnis seiner Person und das Geheimnis der zur Gemeinschaft mit Gott berulenen Menschen. Seine Zuhörer ahnen: Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet4.

Das heutige Evangelium5 zeigt beispielhaft diese Erziehungsweisheit unseres Herrn. Besonders die Frauen werden mit einem Kopfnicken seinen Worten beigepflichtet haben: Niemand setzt ein Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid; denn der Stoff reißt doch wieder ab, und es entsteht ein noch größerer Riß. Und ebenso werden sich die an die Feldarbeit gewohnten Männer angesprochen gefühlt haben, als Jesus das Beispiel vom neuen Wein anführte, den man nicht in alte Schläuche füllt: Sonst reißen die Schläuche, der Wein läuft aus, und die Schläuche sind unbrauchbar. Mit schlichten, der Alltagserfahrung entnommenen Bildern setzt der Herr an, um die unaussprechliche Wahrheit über das Gottesreich zu verkünden. Auch wir ahnen, worauf Jesus mit diesen Beispielen hinaus will. Seine Botschaft ist neu wie der neue Wein nach der Lese: und neuen Wein füllt man in neue Schläuche, dann bleibt beides erhalten.

Schritt für Schritt entschleiert Jesus das Geheimnis seines Ursprungs, bis er dann beim Letzten Abendmahl den Seinen eröffnet, daß dieser Ursprung auch ihr Ziel ist: die Gemeinschaft mit dem Vater und mit dem Heiligen Geist. Die Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit6 erfordert eine Bereitung des Inneren, die weit über die nach außen gerichtete Frömmigkeit hinausgeht. Das Neue, das von Gott kommt, verlangt innere Erneuerung: das neue Herz und den neuen Geist, die nach der göttlichen Ankündigung durch Ezechiel wahr werden sollen: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.7

Dies schließt Kompromisse mit dem Alten aus, sprengt jede Form des Konformismus und der Vergreisung. Die alt gewordenen Behältnisse bersten. Christus bringt nicht lediglich eine neue Gesetzesauslegung neben den Deutungen anderer rabbinischer Schulen, sondern ein ganz neues Leben in seiner Nachfolge.

II. Eigentlich geht es im heutigen Evangelium nicht um eine Auseinandersetzung mit Gegnern, diesmal sind die Fragenden Menschen, die nicht verstehen. Sie gehören zum Kreis des Täufers und sehen das Fasten als Buße für vergangene Sünden und als Läuterung für künftige Gaben Gottes an. Jesus bestreitet ihre Einstellung nicht; er verweist aber darauf, daß mit seinem Kommen die Menschen schon mitten in der Heilszeit leben. Das den Juden wohlbekannte Bild einer Hochzeit als Ausdruck endzeitlicher Gemeinschaft mit Gott soll dies erläutern: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Wenn er über eine Hochzeit gesprochen hat, um die neue, mit seinem Kommen gegebene Situation zu charakterisieren, warum nicht dies weiter ausbauen und - um seine Gaben zu bezeichnen - zwei Dinge nennen, die zum Fest gehören: Wein und Festkleidung?

Was ist der neue Wein? Das neue Leben, das seit Pfingsten die Kirche beseelt und durch Taufe und Firmung ihre Glieder erreicht. »Durch das Geschenk der Gnade, die vom Geist kommt, tritt der Mensch in >ein neues Leben< ein, wird er in die übernatürliche Wirklichkeit des göttlichen Lebens selbst eingeführt und wird zur >Wohnung des Heiligen Geistes<, zum >lebendigen Tempel Gottes<. Denn durch den Heiligen Geist kommen der Vater und der Sohn zu ihm und nehmen Wohnung bei ihm. In der gnadenhaften Gemeinschaft mit der Dreifaltigkeit erweitert sich der >Lebensraum< des Menschen, indem er auf die übernatürliche Ebene des göttlichen Lebens erhöht wird.«8

Die Kirche verkündet von Anfang an ihren Glauben an den Heiligen Geist als den, der lebendig macht. Er gießt den Menschen seine heiligmachende Gnade ein. In ihm teilt sich der unerforschliche dreieinige Gott den Menschen mit. Dieses Geschenk altert niemals, aber unser Geist, der es empfängt - die Schläuche also, um im Bild des Evangeliums zu bleiben - sind der Alterung ausgesetzt. So paradox es klingen mag: obwohl der Mensch unaufhaltsam altert, bleibt er fähig - wie in einer Gegenbewegung -, sich in seinem Inneren ständig zu verjüngen. Und wie sollen wir die Seele jung erhalten? Mit einem feinen Gespür für die Liebe Gottes. Auch kleine Sünden und Nachlässigkeiten können sie trüben. Sie trennen nicht von Gott, aber schaffen eine gewisse Distanz, sie sind wie der Anfang einer Entfremdung.

Die Reue macht uns für neue Gnaden bereit, sie läßt uns in Hoffnung auf Gott schauen. Dadurch wachsen Dankbarkeit und Liebe. Die Hinwendung zu Christus wird herzlicher. Aber dieses Bereuen soll mehr sein als ein bloßes Bedauern, etwas getan oder unterlassen zu haben. Reue ist ein Schmerz des Herzens, und sie schließt die entschiedene Verurteilung des Gewesenen ein.

Der Herr lehrt uns, die Wahrheit unseres Lebens zu erkennen, und er erfüllt uns trotz unserer Elendigkeit und Fehler mit Frieden und mit dem Wunsch nach Besserung, dem Wunsch, von neuem anzufangen. Die demütige Seele spürt die Notwendigkeit, Gott oftmals am Tag um Verzeihung zu bitten. Jedes Mal, wenn sie sich vom Herrn entfernt hat, erkennt sie die Notwendigkeit, wie der verlorene Sohn aus wahrem Liebesschmerz umzukehren: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.9 Diese Reue bereitet die Seele, den neuen Wein der Gnade immer wieder aufzunehmen.

III. Die Taufe ist das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist10, das uns das neue Leben in Christus schenkt. Aber dieses Leben ist noch kein unverlierbarer Besitz; die traurige Erfahrung unserer Niederlagen bestätigt, daß wir den Geist beleidigen11 oder gar auslöschen12 können. Der asketische Kampf »verhütet Schaden, wenn den neugeschaffenen Schläuchen neuer Wein anvertraut wird. Darum müssen wir diese Schläuche immer vollgefüllt erhalten; denn leere verzehrt rasch Motte und Rost, volle wahrt die Gnade.«13 Im Anschluß an diese Worte bittet der heilige Ambrosius darum: »Entferne, Herr Jesus, mit deinem scharfen Messer die Fäulnis meiner Sünden! Schneide, da du mich in Fesseln der Liebe gebunden hast, alles Böse aus!«14 Der Kirchenvater nennt Jesus »den Arzt, der im Himmel wohnt und überall auf Erden seine Heilmittel darbietet. Er allein, dem eigene Wunden fremd sind, kann die meinigen heilen; er, der das Verborgene kennt, des Herzens Qual, die Auszehrung der Seele beseitigen.«15 Eines der wichtigsten Heilmittel, das unser Arzt Jesus für uns bereitet hat, ist das Sakrament der Buße, »eine neue Möglichkeit, sich zu bekehren und die Gnade der Rechtfertigung wiederzuerlangen«16. Der Herr hat es »für alle sündigen Glieder seiner Kirche eingesetzt, vor allem für jene, die nach der Taufe in schwere Sünde gefallen sind und so die Taufgnade verloren und die kirchliche Gemeinschaft verletzt haben«17.

Dieses Sakrament kräftigt und verjüngt die Seele. Sein Empfang erfordert den aufrichtigen, demütigen und zerknirschten Willen zur Versöhnung. Dazu gehört natürlich eine gute Gewissenserforschung - was nicht immer eine lange Prüfung bedeutet, vor allem dann nicht, wenn man regelmäßig beichtet und sich daran gewöhnt hat, jeden Abend Gewissenserforschung zu halten. Oft wird es gut sein, das Gewissen vor Christus im Tabernakel zu erforschen. Da erkennen wir leichter und besser, ob wir den Anregungen des Herrn gefolgt sind oder ob wir uns ihnen widersetzt haben. Um die Reue zu konkretisieren, kann es manchmal nützen, nach dem Bekenntnis der kleinen Sünden und Fehler auch die Reue für die früheren, schon vergebenen Sünden zu erneuern.

Wer häufig beichtet, soll darauf achten, daß er den wirklichen Zustand seiner Seele aufdeckt und in einem wirklich persönlichen Akt seine Verfehlungen bekennt, was bedeutet, sich nicht auf Allgemeinplätze zu beschränken, in der Art etwa: »ich war nicht demütig« oder »ich habe gegen die Nächstenliebe verstoßen« denn solche allgemeinen Anklagen lassen uns gleichsam in der Masse der Sünder verschwinden.

Das Sakrament der Versöhnung ist nicht nur Nachlaß der Sünden, sondern auch Heilung unserer Wunden und Festigung der guten Anlagen in uns, die vielleicht unter der Last der Gewöhnung gelitten haben. »Gott sei Dank! sagtest du, nachdem du gebeichtet hattest. Und du dachtest: Es ist, als ob man neu geboren wäre.

Dann fuhrst du fort mit Ruhe und Gelassenheit: >Domine, quid me vis facere?< - Herr, was willst du, daß ich tue?

Selbst gabst du dir die Antwort: mit deiner Gnade werde ich, allem und allen zum Trotz, deinen heiligsten Willen erfüllen: >Serviam!< - ich will dir rückhaltlos dienen.«18

1 Katechismus der Katholischen Kirche, 52. - 2 Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien, 3,20,2. - 3 Katechismus der Katholischen Kirche, 65. - 4 Mk 1,27. - 5 Mt 9,16-17. - 6 Joh 4,23. - 7 Ez 36,26. - 8 Johannes Paul II., Enz. Dominum et vivificantem, 58. - 9 Lk 15,18-19. - 10 Tit 3,5. - 11 vgl. Eph 4,30. - 12 vgl. 1 Thes 5,19. - 13 Ambrosius, Auslegung des Evangeliums nach Lukas, 5,26. - 14 ebd., 5,27. - 15 ebd. - 16 Katechismus der Katholischen Kirche, 1446. - 17 ebd. - 18 J. Escrivá, Im Feuer der Schmiede, Nr. 238.



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