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Donnerstag, den 15. Mai 2008 


Meditationen für jeden Tag
Drucken - Massenmesswerte

JAHRESKREIS
6. WOCHE - DONNERSTAG

49

Christus bekennen

»Ihr aber, für wen haltet ihr mich?«

Die Lehre über die heilige Messe.

Quelle, Höhepunkt, Herzmitte.

 

I. Jesus hatte mit seinen Jüngern das jüdische Gebiet verlassen und wanderte das obere Jordantal hinauf. Am Fuße des schneebedeckten Hermon, in der Gegend von Cäsarea Philippi, fragte er die Zwölf1: Für wen halten mich die Menschen? Die Jünger gaben daraufhin wieder, was man sich im Volke über Jesus erzählte. Für einen gewöhnlichen Menschen hielt man ihn nicht, aber auch nicht für den Messias, den Israel erwartete. »Im Spätjudentum war das Prophetentum ausgestorben. Es blieb aber im jüdischen Denken die Auffassung lebendig, daß zu gegebener Zeit wieder Propheten im Volke Gottes auftreten würden.«2 Einige hielten ihn für Johannes den Täufer, andere Jür wieder andere für sonst einen der Propheten. Das war für Jesus sicher nicht neu. Aber der ersten folgte nun die zweite, entscheidende Frage. Er hatte sich zurückgezogen, um sich den Seinen zu widmen - und da sollte zunächst Klarheit nicht nur über seine Sendung, sondern über ihn selbst herrschen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? »Das feierliche, betonte Ihr aber am Anfang rückt diese zweite Frage sofort an einen ganz anderen Platz. Er gibt ihnen zu erkennen, daß er von ihnen etwas ganz anderes erwartet. Und so antwortet denn auch Petrus, in einem klaren, freudigen Satz, der mit seiner frischen Anrede: Du bist... in betontem Gegensatz zur ersten Antwort steht.«3 Du bist, der Messias. Das ist nicht bloß eine Meinung, sondern ein Glaubensakt. »Der Fischer Simon aus Galiläa ermißt zwar noch nicht die Tiefe und die Folgen seines Bekenntnisses, doch er wirft seinen grenzenlosen Glauben weit über seinen begrenzten Verstand hinaus. Darin lag ja gerade die herrlichste Eigenschaft des Petrus: Er stürzte sich Hals über Kopf in den Glauben, lange bevor der Kopf begriff und der Hals sich reckte.«4

Auch von uns erwartet der Herr ein klares Bekenntnis: sprechen wir also in einer Welt, in der die Gestalt Jesu halb zum Mythos, halb zum sympathischen Mitmenschen verblaßt ist, mit Petrus: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.5 Die Taufe hat uns in eine Lebensgemeinschaft mit Christus geführt, die enger und tiefer ist als jede mögliche Verbindung unter Menschen. In der Taufe werden wir Glieder Christi und ihm gleichgestaltet, aus ihr entfaltet sich das ganze christliche Leben. Ähnlich wie die Hand aus dem Leib Lebenskraft bekommt, wird der Christ durch das Leben in Christus beseelt. Er selbst sagt es mit einem anregenden Bild: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.6 Die Vereinigung mit ihm ist so innig, daß wir mit Paulus sagen können: nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.7

Obwohl die Gemeinschaft mit Christus jeden Augenblick unseres Lebens prägt, gibt es Zeiten, in denen sie eine besondere Innigkeit gewinnt. So in jeder sakramentalen Begegnung, besonders in der heiligen Messe. Dies wollen wir heute näher betrachten. Unsere Teilnahme an der heiligen Messe ist der höchste Ausdruck des Bekenntnisses: Du bist Christus, du bist der Sohn des lebendigen Gottes, du bist mein Erlöser durch deinen Tod und deine Auferstehung, gegenwärtig im heiligen Meßopfer durch die Zeiten. In der heiligen Messe bringen die Gläubigen das Opfer zusammen mit Christus dar, und mit ihm opfern sie sich selbst.

 

II. Was sagt uns der Glaube über das eucharistische Opfer? Der unerschöpfliche Gehalt dieses Sakramentes kommt in den verschiedenen Benennungen zum Ausdruck. Jede von ihnen weist auf gewisse Aspekte hin. Man nennt es: Eucharistie, weil es Danksagung an Gott ist, Mahl des Herrn, Brechen des Brotes, Eucharistische Versammlung, Gedächtnis des Leidens und der Auferstehung des Herrn, heiliges Opfer, denn es vergegenwärtigt das einzigartige Opfer Christi, des Erlösers, und schließt die Selbstdarbringung der Kirche mit ein, heiliges Meßopfer, heilige und göttliche Liturgie, Kommunion, heilige Messe.8

In einem Text des Zweiten Vatikanischen Konzils heißt es: »In der Teilnahme am eucharistischen Opfer, der Quelle und dem Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens, bringen die Gläubigen das göttliche Opferlamm Gott dar und sich selbst mit ihm.«9 Nicht nur der Priester opfert, sondern auch alle Gläubigen, wenn auch auf eine je andere Weise. Papst Pius XII. präzisiert in der Enzyklika Mediator Dei, daß »der Priester nur deshalb an Stelle des Volkes handelt, weil er die Person unseres Herrn Jesus Christus vertritt, insofern dieser das Haupt aller Glieder ist und sich selbst für sie darbringt, und daß er deshalb als Diener Christi an den Altar tritt, niedriger als Christus, aber höher als das Volk.

Dagegen kann das Volk, da es ja in keiner Weise die Person des göttlichen Erlösers verkörpert und nicht Versöhner zwischen sich selbst und Gott ist, keinesfalls priesterliches Recht genießen. (...) Durch das Bad der Taufe werden die Christen nämlich unter einem allgemeinen Titel zu Gliedern im mystischen Leibe Christi, des Priesters, und werden durch den >sakramentalen Charakter<, der in ihre Herzen gleichsam eingemeißelt wird, zur göttlichen Verehrung bestimmt; und insofern nehmen sie nach ihrem Stand am Priestertum Christi selbst teil.«11 Aber die »unblutige Opferung, in der Christus durch das Aussprechen der Konsekrationsworte im Zustand der Opfergabe auf dem Altar gegenwärtig wird, wird nur vom Priester selbst vollzogen, insofern er die Person Christi verkörpert, nicht aber, insofern er die Person der Christgläubigen vertritt.«12 Die Christgläubigen nehmen also auf ihre Weise und in zweifacher Hinsicht am Opfer teil: »weil sie nämlich nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern auch zusammen mit ihm gewissermaßen das Opfer darbringen: und zwar gehört aufgrund dieser Teilnahme auch das Opfer des Volkes zum liturgischen Kult selbst.«14

In der heiligen Messe können wir jeden Tag die Gaben der Schöpfung und all die Gaben darbringen, die Frucht der menschlichen Arbeit13 sind. Liturgisch heißt dieser Augenblick Gabenbereitung. Der frühere Ausdruck »Opferung« der gelegentlich noch gebraucht wird, hat seinem Ursprung nach eigentlich mit Opfer nichts zu tun. Er leitet sich vom lateinischen >operari< her und bezeichnete in früheren Jahrhunderten das Werk der Vorbereitung durch den Sakristan. »Dennoch hat die Sache der Opferung, wenn auch nicht der Name, etwas mit dem Opfer zu tun. (...) Opfer ist Gabe. Genauer, Opfer ist Hingabe seiner selbst oder seiner Fähigkeiten oder von Dingen, die ihm oder zu ihm gehören, an Gott oder die Menschen. (...) Die Geldgabe zur Linderung menschlicher Not ist ein wirkliches Opfer. Das >Fastenopfer< ist ein Opfer. In gleichem Sinn ist die Bereitstellung der Gabe von Brot und Wein ein Opfer. In keinem Fall handelt es sich um >das Opfer<, das Opfer Christi und der Kirche, das so erhaben ist, daß es alle anderen Opfer überstrahlt und in sich begreift.«14 Wenn man dies weiß, versteht man, weshalb der Priester uns aufruft, Gott zu bitten, daß mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater, gefalle. Und die Antwort der Gläubigen deutet dies ebenso an: Der Herr nehme das Opfer an aus deinen Händen zum Lob und Ruhme seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche.15

 

III. Wir treten in das Opfer Christi ein mit allem, was wir sind und haben: mit unserer Arbeit, unseren Freuden, Gedanken, Plänen und Nöten - alles erhält einen neuen, übernatürlichen Wert, wenn wir es mit Christus, Priester und Opfergabe, darbringen. Da »verweben sich Menschliches und Göttliches in unserem Leben. Und alle unsere Anstrengungen - selbst die ganz unbedeutenden - gewinnen eine Dimension des Ewigen, weil sie sich mit dem Opfer Christi am Kreuz vereinen.«16

Die heilige Messe führt uns »zu den grundlegenden Geheimnissen des Glaubens, denn sie ist das Geschenk der Dreifaltigkeit an die Kirche. Daher leuchtet es ein, daß sie Mitte und Wurzel im geistlichen Leben des Christen ist.«17 Sie ist der Punkt, in dein alles, was unser Leben ausmacht, zusammenlaufen muß: Worte und Gedanken, Gefühle, Pläne, Bitten, Sorgen, Danksagungen... Unsere Bitten werden zu Bitten Christi an den Vater. Deshalb darf es keine Floskel bleiben, wenn wir jemandem sagen: »Ich werde für dich in der heiligen Messe beten« ein hehres Versprechen, wird doch unser Bitten zum Gebet Christi; er trägt unser Anliegen vor den Vater.»Hineingenommen in die heilige Messe, gewinnt die Gott dargebrachte Arbeit noch an Wert. Es ist gut, die Aufopferung des Tagewerks, die wir wahrscheinlich jeden Morgen verrichten, während der heiligen Messe zu erneuern und unser Tun im Laufe des Tages mit der heiligen Messe zu verbinden, die in jenem Augenblick irgendwo auf der Erde gefeiert wird. Nötig ist es nicht, aber es kann helfen, den Tag auf diese Weise eng mit dem Opfer Christi zu verbinden. Unser Leben, alles, was wir denken, tun und wollen, wird gleichsam zu Materie des Opfers, auf ihn hin dargebracht, von ihm her geheiligt. So ist die heilige Messe, auch wenn wir es nicht gefühlsmäßig empfinden, wirklich die Mitte unseres Lebens. Kardinal Newman vergleicht sie mit dem Herzen: »Das Herz kann als der Sitz des Lebens angesehen werden; es ist das Prinzip der Bewegung, Wärme und Tätigkeit; von ihm aus geht das Blut hin und her in die äußersten Teile des Leibes. Es erhält den Menschen in seinen Kräften und Fähigkeiten; es setzt das Gehirn instand zu denken; und wenn es angetastet wird, stirbt der Mensch. In ähnlicher Weise ist die heilige Lehre vom Sühneopfer Christi das vitale Prinzip, aufgrund dessen der Christ lebt und ohne das das Christentum nicht ist.«17

Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Wir erneuern dieses Bekenntnis auf vielfache Weise, besonders aber, wenn wir - verbunden mit allen, die in der ganzen Welt Eucharistie feiern - das Geheimnis des Glaubens feiern.

 

1 Mk 8,27-33. - 2 G. Kroll, Auf den Spuren Jesu, Stuttgart 1988, S.259. - 3 J. Dillersberger, Markus, Bd.IV, Salzburg 1937, S.39. - 4 P. Berglar, Petrus - Vom Fischer zum Stellvertreter, München 1991, S.20. - 5 Mt 16,16. - 6 Joh 15,5. - 7 Gal 2,20. - 8 vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1328-1332. - 9 II. Vat. Konz., Konst. Lumen gentium, 11. - 10 Pius XII., Enz. Mediator Dei. - 11 ebd. - 12 ebd. - 13 Missale Romanum, Gabenbereitung. - 14 Th. Schnitzler, Was die Messe bedeutet, Freiburg 1976, S.117-118. - 15 Missale Romanum, Gabenbereitung. - 16 J. Escrivá, Der Kreuzweg, X,5. - 17 J. Escrivá, Christus begegnen, 87. - 18 J.H. Newman, Das Mysterium der Dreieinigkeit und der Menschwerdung Gottes, München 1950, S.198.



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